Mehr als Eisspray

Wenn sich ein Spieler verletzt, sprinten sie herbei um zu helfen. Doch im Hintergrund leisten die medizinischen Abteilungen der Klubs weit mehr. GC-Chefphysiotherapeut Marc Gähwiler arbeitet mit seinem Team intensiv daran, die Verletzungsgefahr zu minimieren. Und dies so erfolgreich wie kein anderer Verein.

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ie Fussballplätze auf dem GC-Campus in Niederhasli liegen verwaist in der prallen Sonne, einige Nachwuchstrainer verziehen sich in den Schatten oder in die kühlen Büros. Der sanfte Wind trägt das Gejohle und das Planschen vom Freibad über das Areal. Die Trainings sind vorbei, doch nicht alle GC-Spieler haben schon Feierabend. Die Verletzten, die Angeschlagenen und die Rekonvaleszenten begeben sich nun in das Reich von Marc Gähwiler. Ein Reich, das gesäumt ist von Fitnessgeräten, Massageliegen und Krankenakten. 

 

Viel Zeit hat Marc Gähwiler nicht. Er arbeitet Vollzeit für den Grasshopper Club Zürich – «eher mehr als 100 Prozent», wie er schmunzelnd anmerkt –, der nächste Termin steht schon an. Es herrscht eifrige Betriebsamkeit, obwohl das Saisonende nahe ist. Die Zeit, in der die medizinische Abteilung der Fussballklubs aus einem gesetzteren Herrn bestand, der an Spieltagen seinen Ärztekoffer mitbrachte, sind längst vorbei. GC beschäftigt derzeit nebst dem Teamarzt zwei Physiotherapeuten, zwei Osteopaten, eine Podologin sowie einen Sportmasseur – und das allein für die erste Mannschaft! 

 

«Der Weltfussball hinkt in Sachen präventiver Betreuung noch immer hinterher» «Der Weltfussball hinkt in Sachen präventiver Betreuung noch immer hinterher», sagt Marc Gähwiler. Er schwärmt von den grossen US-Sportarten, wo den Teams für jeden Bereich Spezialisten zur Verfügung stehen, was gerade bei der Vorbeugung vor Verletzungen sehr wichtig sei. Dass es auch im Fussball in diese Richtung geht, ist für ihn nichts weiter als die logische Konsequenz davon, dass der Rasensport immer athletischer geworden ist. Nicht nur die investierten Mittel, auch die Wertschätzung sei gestiegen, urteilt Gähwiler. Der Trainerstab ist sich bewusst, dass eine gute Betreuung die Ausfälle – und damit möglicherweise Punktverluste – minimiert; die Spieler wissen um die Wichtigkeit der Prävention und nehmen den Mehraufwand gerne in Kauf. Gähwilers Team arbeitet besonders erfolgreich: In der letzten Saison waren Spieler der Grasshoppers am wenigstens von muskulären Verletzungen betroffen. 

 

Für den Zuschauer treten Marc Gähwiler und seine Berufskollegen nur höchst selten in Erscheinung. Wenn der Schiedsrichter bei einer befürchteten Verletzung das Handzeichen gibt, sprinten der Teamarzt und einer der beiden Physio von der Bank herbei. «Dabei geht es zunächst um zwei Fragen: Ist etwas gebrochen? Ist etwas gerissen?», erklärt Gähwiler. Ist das wie meistens nicht der Fall, verschafft der berühmte Eisspray bei Prellungen erste Linderung. Die eigentliche Arbeit folgt erst im Nachhinein. Ist eine Blessur ernster, geht es darum, den Spieler möglichst schnell wieder einsatzbereit zu bekommen. Gähwiler und seine Kollegen planen das Rehabilitionsprogramm. Natürlich wollen alle Spieler möglichst schnell wieder auf dem Platz stehen. Wir entscheiden im Gremium und nach Rücksprache mit dem Teamarzt, wann wir grünes Licht geben können.» Nicht selten steht der Entscheid auf Messers Schneide. Denn wird ein Spieler zu früh wieder forciert, besteht die Gefahr von Folgeverletzungen.

 

 

 

 

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